Von der Alten in die Neue Welt und zurück - der

SGV Münster auf Spurensuche in der Dorseler Heide

Bei herrlichem Sonnenschein bewegte sich die Donnerstags-Radelgruppe am 08.09.16 in starker Besetzung (42 TN, davon 9 Gäste) weitgehend waldgeschützt vom Ostbad über Lauheide, Klatenberg und Fockenbrocksheide, in Richtung Schirl, um das dort angelegte Heidebiotop in Augenschein zu nehmen. Das Heidegebiet soll abbilden, woraus das Münsterland vor einigen hundert Jahren noch weitgehend bestand: nämlich aus Moor-, Heide-, Sand- und Feuchtgebieten.//

Nach einigen Kilometern auf einem gut befahrbaren Waldweg, gelangt die Gruppe in der Dorseler Heide, am Nord-Ost-Rand der Gemarkung Telgte gelegen, zu einem kleinen „Waldfriedhof“, dem 1913 angelegten Familienfriedhof derer von Laer auf Ostdorsel. Dort auf dem Friedhof, erfahren die Radler durch Wanderführer Werner Schmitz in einem zehnminütigen Referat von der interessanten und auch heute noch außergewöhnlichen Lebensgeschichte des Gutsherrn Wilhelm von Laer (1829-1926).

Aufgrund seiner Beteiligung an den Märzereignissen aus 1848, floh er im April 1850 mit 22 Jahren in die USA und kehrte 1859 mit 30 Jahren als Experte für Landwirtschaft zurück, so dass er mit seinem allgemeinen und speziellen Können bei dem „Bauernkönig“ Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst lange als sein Generalsekretär beim Aufbau des landwirtschaftlichen Verbandswesens tätig sein konnte.- Das Denkmal des obigen Freiherrn befindet sich an der Schorlemer Straße, unweit der Promenade. >> (Im Anschluss an die Fotoserie findet sich eine vollständigere Vita des Wilhelm von Laer).//

Alsbald erreichte die Gruppe die Ortschaft Einen, wo alle Teilnehmer zur Mittagsrast auf dem Gruppenrondell (vgl. Foto) und auf Bänken neben der Kirche Platz fanden. –

Der weitere Weg führte an der blauen „Lonn`ebrücke“ über den deregulierten Ems-Auen-Bereich nach Raestrup und weiter nach Everswinkel. Von erfolgte nach einer Pause die Rückfahrt über Wolbeck nach Münster. In St. Mauritz fand die 60-km-Tour mit der Verabschiedung ihr Ende.

WF, Bericht, Fotos u. Internet: Werner Schmitz (schm-30-09-16)

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Heidebiotop in der Bauerschaft Schirl

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Pause am Heidebiotop Schirl - oben und unten -

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Weiter geht`s !

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Auf dem Privatfriedhof derer von Laer, Ostdorsel

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Der schon beschriebene Privatfriedhof Ostdorsel

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Alleezufahrt zum Gutshof von Laer nebenan

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Bereits 1897 erwarb Wilhelm von Laer im Alter von 68 Jahren preiswert den heruntergekommenen Hof Dorsel und wurde somit größter Grundbesitzer Telgtes. Nach der Sanierung seines Gutes ließ er 1907 etwas abseits vom Gutshof eine Jugendstilvilla als Feriendomizil für die Großfamilie bauen. Der besondere Charakter bestand in einer zentralen Halle als Kommunikationsmittelpunkt, dem sich niemand entziehen konnte, weil – auch heute noch – alle Räume nur von der großen zentralen Halle aus zu erreichen sind. – Der am 29.08.16 interviewte Enkel Hermann von Laer kann noch sehr lebhaft berichten, wie sie als Kinder im Haus herumgetollt sind und wie wirksam die kommunikative Absicht des Großvaters war. Wilhelm von Laer starb 1926 im Alter von 97 Jahren.

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Die große Innenhalle der Villa mit Herdfeuer

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Die Kommunikations-Halle des Hauses mit der umlaufenden Treppe,um alle Räume zu erreichen.

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Mittagsrast am großen Bank-Rondell neben der Kirche von Einen

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Denkmal des Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst, Nähe Promenade

Anschlussteil über das Leben des Wilhelm von Laer

Dorseler Heide, wo liegt denn die, werden Sie fragen? Sie liegt in der Gemarkung Telgte an deren Nordostgrenze und ragt mit einer „Nase“ in das Warendorfer Gebiet hinein; sie liegt außerdem zwischen dem Nördlichen - und (Südlichen) Frankenbach.

Nachfolgend soll das wechselvolle und trotzdem erfolgreiche Leben des Großvaters Wilhelm von Laer (1829 – 1926) näher betrachtet werden, weil man es auch unter heutigen Bedingungen noch als `außergewöhnlich` bezeichnen kann.

Wilhelm von Laer wird am 09.06.1829 als ältester Sohn des Rittergutsbesitzers Carl-Friedrich von Laer auf dem Rittergut Oberbehme bei Kirchlengern (Krs. Herford) geboren. 1846 machte er mit 17 Jahren sein Abitur, um anschließend bis 1849 mit erfolgreichem Abschluss Jura zu studieren. Danach folgt noch 1849 eine Tätigkeit als Auskultator (d.h. Vernehmender) und Protokoller (d.h.: unbezahlter Referendar) beim Kreisgericht Herford.

Schon zuvor, im März 1848, schloss er sich der damaligen Revolutionären Bewegung (Stichwort: „Märzrevolution 1848“) an und engagierte sich u.a. für die Volksbildung. Er verfasste Schriften über die Notlage der „Heuerlinge“ und Arbeiter im Kreis Herford. Dazu machte er den Vorschlag, diese auf den riesigen Westpreußischen Domänen anzusiedeln.

Nach der Niederschlagung der 48`er revolutionären Bestrebungen gegen die ungeliebte Obrigkeit, verweigerte Wilhelm von Laer, jetzt beim Landkreis Paderborn tätig, am 30.01.1850 den Eid auf die neue, wie er meinte, reaktionäre Verfassung.

Dies war offenbar des Guten zu viel, so dass er ohne Behördenabmeldung seine Flucht in die USA vorbereitete, die er im April 1850 im Alter von fast 22 Jahren ausführte. Dabei reiste er über Bremerhaven mit der Familie des Gütersloher Journalisten Groneweg, der später Wilhelms Schwiegervater werden sollte.

Nach ca. 70 Tagen Überfahrt landete das Segelschiff Ende Mai / Anfang Juni 1850 in NewYork. Dort lebte er zunächst in einer Commune, die nach dem Franzosen Charles Fourier (1772 - 1837) ausgerichtet war; dort sollte man seine Triebe frei entfalten können. Diese scheiterte aber am praktischen Zusammenleben. Verkaufen wollten alle, aber die Reinigungsarbeiten auszuführen, war offenbar ein Problem.

Wilhelm zog dann mit den Gronefelds weiter nach Dayton/Ohio. Von dort ging es immer weiter nach Westen, weil dort das Land preiswert zu erwerben und nach Kultivierung zur landwirtschaftlichen Nutzung, für einen viel höheren Preis wieder zu verkaufen war.

Die wirklichen Gründe für die Rückkehr nach Deutschland 1859 mit 30 Jahren sind nicht aktenkundig. Offenbar befürchtete er aufgrund der nicht vorgenommenen Behördenabmeldung Schwierigkeiten bei seiner Rückkehr. Jedenfalls beschaffte er sich über einen Notar rechtswidrig einen US-Pass, der ihn als in den USA Geborenen auswies. Diesen Pass hat er jedoch nicht nutzen müssen, weil der Vater mutmaßlich noch immer „die Hand über seinen Ältesten hielt“.

In Deutschland angekommen, übernahm Wilhelm zwei Jahre lang die Leitung des väterlichen Gutes. Danach schied er im Streit. Das Gut erbte sein jüngerer Bruder. Aufgrund seiner US-Erfahrungen fand er 1862 zu den im Aufbau befindlichen Landwirtschaftsverbänden und wurde für 15 Jahre der Generalsekretär beim Landwirtschaftlichen Provinzialverein W/L, der Vorgängerin der Landwirtschaftskammer, dessen Leiter Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst war.

Ab 1877 wurde Wilhelm von Laer Direktor der aufgebauten Landwirtschaftsbank und zugleich Generallandwirtschafts-direktor bis zu seinem 90. Lebensjahr in 1919.

Bereits 1897 erwarb er im Alter von schon 68 Jahren preiswert den heruntergekommenen Hof Dorsel und wurde somit größter Grundbesitzer Telgtes. Nach der Sanierung seines Gutes ließ er 1907 eine Jugendstilvilla als Feriendomizil für die Großfamilie bauen. Der besondere Charakter der Villa zeigt sich in einer zentralen Halle als Kommunikationsmittelpunkt, dem sich niemand entziehen konnte, weil – auch heute noch – alle Räume nur von der großen zentralen Halle aus zu erreichen sind. – Der am 29.08.16 interviewte Enkel Hermann von Laer kann noch sehr lebhaft berichten, wie sie als Kinder im Haus herumgetollt sind und wie wirksam die kommunikative Absicht des Großvaters war. Wilhelm von Laer starb 1926 im Alter von 97 Jahren; er wurde auf dem jetzt besuchten privaten "Waldfriedhof" aus 1913 bestattet.

Quellen: - Hermann von Laer, in MstrLd.-Jahrbuch des Kreises WAF 2013, Bd. 63; Interview Werner Schmitz mit Hermann von Laer (Enkel) am 29.08.16

Ende des Beitrags (schm-30-09-16)

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